Erfahrungsbericht einer Vor-Ort-Begehung durch die ASIIN

von Daniel Gohlke, Jena

Nachdem ich durch den KASAP in den Fachausschuss Informatik bei der ASIIN entsandt wurde, hat die Akkreditierungskommission 1 der ASIIN mich als studentischen Vertreter in diesen Fachausschuss gewählt. Bei der ASIIN ist es üblich, dass die Vertreter in den Fachausschüssen mindestens an einem Verfahren der ASIIN teilgenommen haben. Darum wurde ich auch durch den Vorsitzenden dieses Fachausschusses eingeladen, an einem von drei möglichen Verfahren teilzunehmen und dort Erfahrungen über den Ablauf einer ASIIN-Akkreditierung mit zu erleben. Ich wählte für mein erstes Verfahren bei der ASIIN diejenige Hochschule aus, die bei ASIIN sowohl Bachelor als auch Masterstudiengänge für Informatik und Wirtschaftsinformatik akkreditieren lassen wollte. Das Gutachterteam dieses Verfahrens war weiterhin mit Universitäts- und Fachhochschulvertretern des Fachausschusses sowie dem Wirtschaftsvertreter aus dem Fachausschuss besetzt und wurde von einem Mitarbeiter der Geschäftsstelle begleitet.

Vorbereitung

Im Vorfeld der Akkreditierung bekam ich zwei dicke Stapel Unterlagen zugeschickt, die es durchzuarbeiten galt und zu denen die Geschäftsstelle eine kurze Rückmeldung erbat, ob grobe Mißstände auffielen oder für die Akkreditierung relevante Unterlagen fehlten. Zu diesen Unterlagen zählten neben der Selbstdarstellung des Fachbereiches und den Dokumenten für den Studiengang auch die "Allgemeinen Anforderungen und Verfahrensgrundsätze" der ASIIN, die "Fachspezifischen Ergänzungskriterien" der ASIIN und ein Fragebogen zu dem Studiengang von ASIIN. Diese Dokumente scheinen ASIIN spezifische Dokumente zu sein, denn bei Verfahren mit anderen Agenturen bekam ich solche Hinweise für einen zu akkreditierenden Studiengang nicht. Nachdem ich mir für das Durcharbeiten der gesamten Unterlagen zwei Abende Zeit genommen hatte, wobei ich besonders auf die Modulhandbücher und die Studienorganisation achtete, schrieb ich eine eMail an die Geschäftsstelle mit den mir aufgefallenen Problempunkten, die bei der Begehung angesprochen werden sollten.

Vortreffen der Gutachter

Am Tag vor der Begehung wurde in einem gemeinsamen Gespräch aller Gutachter der Ablauf der Begehung besprochen. Weiterhin ging die Gutachtergruppe gemeinsam die Unterlagen durch und trug die einzelnen Fragen und Kritikpunkte aller Gutachter zusammen. Vom Vorsitzenden der Gutachtergruppe wurden diese notiert und gemeinsam geklärt, mit wem man diese Fragen besprechen wollte: Waren die Problempunkte eher an die Programmverantwortlichen gerichtet, eher Fragen an die Hochschulleitung oder direkt mit den Studierenden zu besprechen. Nach dem gemeinsamen Abendbrot habe ich nochmal die Unterlagen sortiert und Fragen aufgeschrieben, die ich nicht vergessen wollte zu stellen.

Begehung der Hochschule

Ein kurzes Frühstück und eine große Tasse Kaffee mussten am Tag der Begehung reichen, ehe man mit dem Taxi zur Hochschule gefahren wurde.
Im Rahmen der Begehung wurde der Studiengang durch die Programmverantwortlichen nochmals kurz vorgestellt und erste Fragen wurden durch das Gutachterteam gestellt. Dann folgten Gespräche mit der Hochschulleitung zur Personal- und Sach-Ausstattung des Fachbereiches und später auch Gespräche mit dem gesamten Lehrpersonal.
Vor dem Gespräch mit den Studierenden wurden schon einmal alle Problemfelder diskutiert, die eventuell in Empfehlungen oder Auflagen münden könnten. Auch die positiven Aspekte wurden gesammelt und alle Punkte, die während der Gespräche schon geklärt werden konnten, abgehakt. Nach dem Gespräch mit den Studierenden wurden mit den Programmverantwortlichen die Probleme des Studiengangs diskutiert. Dabei achtete der Vorsitzende des Gutachterteams darauf, nicht direkt zu sagen, was später einmal Empfehlungen oder Auflagen werden könnten, denn diese Entscheidung trifft die Akkreditierungskommission. Das Gutachterteam nannte bei dieser Runde nicht nur Punkt für Punkt, sondern gab auch Anregungen für die Verbesserung, die dann gemeinsam mit den Programmverantwortlichen im "Konsens" besprochen wurden.

Akkreditierungsbericht

Der Bericht wurde dann vom Vorsitzenden des Gutachterteams geschrieben, an alle Gutachter zur Stellungnahme geschickt und mit Änderungen in die Akkreditierungskommission gegeben.

Fazit

Mit anderen Akkreditierungsagenturen habe ich schon Bachelor- und Masterstudiengänge begutachtet, mit ASIIN war dieses Verfahren mein erstes. Im allgemeinen kann ich sagen, dass das Verfahren ähnlich ablief, wie bei anderen Agenturen, aber es gab auch feine Unterschiede.
Als wichtigsten Unterschied möchte ich nochmal wiederholen, dass ich bei keiner anderen Agentur Kriterienkataloge als Hilfe-stellung bekommen habe. Diese Kriterien-kataloge können für Erstakkreditierende eine Hilfestellung sein, bei besonders innovativen Studiengängen habe ich aber persönlich Bedenken, dass die Begutachtung dadurch zu stark reglementiert wird.
Im Gegensatz zu Verfahren mit anderen Agenturen habe ich bei diesem Verfahren das Gespräch mit den Studierenden nicht selbst geleitet. Dies wurde wie bei Gesprächen mit den anderen Gruppen auch vom Vorsitzenden übernommen. Davon wurde ich leider überrascht, denn in den anderen Verfahren war es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, schon allein wegen der psychologischen Wirkung. Ich kann zwar nicht behaupten, dass das Gespräch deshalb wesentlich anders verlief, würde aber in jedem kommenden Verfahren darauf hinarbeiten. Im Fachausschuss werde ich das Thema auch noch einmal aufgreifen und bis dahin jedem empfehlen nachzufragen, ob es nicht sinnvoll wäre, dass die studentischen VertreterInnen die Gespräche mit den Studierenden moderieren.

Die Beteiligung an einem solchen Verfahren lohnt sich allemal, denn in diesem Fall müssen die Lehrverantwortlichen der Hochschule, aber auch die Hochschulvertreter im Gutachterteam auf den studentischeN VertreterIn Rücksicht nehmen.
Sollte der Studiengang auch noch so durchdacht sein, es finden sich immer wieder Kleinigkeiten, die noch verbessert werden müssen. Meine Erfahrung mit Akkreditierungsverfahren zeigt auch, dass die Studierenden in den Gesprächen für die Fragen der studentischen Gutachter offener sind. Im Gegensatz zu den Gesprächen mit der Hochschulleitung hat man in der Gesprächsrunde mit den StudentInnen größere Chancen die Probleme des Studiengangs oder des Fachbereichs zu erfragen und Klagen über schlechte Ausstattung oder fehlende Lehrmittel aufzunehmen. Auch konnte ich in diesen Runden nachfragen, wie stark die StudentInnen wirklich in die Erarbeitung und Gestaltung der neuen Studiengänge eingebunden waren. Auf jeden Fall sollte man darauf schon im Vorfeld achten, dass eine Gesprächsrunde mit den Studierenden stattfindet. Vor Ort ist es oft möglich auch nochmals explizit zu erwähnen, dass auch Studierende der neuen Studiengänge, sofern sie denn bereits laufen, teilnehmen.