Erfahrungsbericht einer Vor-Ort-Begehung durch die ASIIN
Nachdem ich durch den KASAP in den Fachausschuss Informatik bei der ASIIN entsandt wurde, hat die Akkreditierungskommission 1 der ASIIN mich als studentischen Vertreter in diesen Fachausschuss gewählt. Bei der ASIIN ist es üblich, dass die Vertreter in den Fachausschüssen mindestens an einem Verfahren der ASIIN teilgenommen haben. Darum wurde ich auch durch den Vorsitzenden dieses Fachausschusses eingeladen, an einem von drei möglichen Verfahren teilzunehmen und dort Erfahrungen über den Ablauf einer ASIIN-Akkreditierung mit zu erleben. Ich wählte für mein erstes Verfahren bei der ASIIN diejenige Hochschule aus, die bei ASIIN sowohl Bachelor als auch Masterstudiengänge für Informatik und Wirtschaftsinformatik akkreditieren lassen wollte. Das Gutachterteam dieses Verfahrens war weiterhin mit Universitäts- und Fachhochschulvertretern des Fachausschusses sowie dem Wirtschaftsvertreter aus dem Fachausschuss besetzt und wurde von einem Mitarbeiter der Geschäftsstelle begleitet.
Vorbereitung
Im Vorfeld der Akkreditierung bekam ich zwei dicke Stapel Unterlagen zugeschickt, die es durchzuarbeiten galt und zu denen die Geschäftsstelle eine kurze Rückmeldung erbat, ob grobe Mißstände auffielen oder für die Akkreditierung relevante Unterlagen fehlten. Zu diesen Unterlagen zählten neben der Selbstdarstellung des Fachbereiches und den Dokumenten für den Studiengang auch die "Allgemeinen Anforderungen und Verfahrensgrundsätze" der ASIIN, die "Fachspezifischen Ergänzungskriterien" der ASIIN und ein Fragebogen zu dem Studiengang von ASIIN. Diese Dokumente scheinen ASIIN spezifische Dokumente zu sein, denn bei Verfahren mit anderen Agenturen bekam ich solche Hinweise für einen zu akkreditierenden Studiengang nicht. Nachdem ich mir für das Durcharbeiten der gesamten Unterlagen zwei Abende Zeit genommen hatte, wobei ich besonders auf die Modulhandbücher und die Studienorganisation achtete, schrieb ich eine eMail an die Geschäftsstelle mit den mir aufgefallenen Problempunkten, die bei der Begehung angesprochen werden sollten.
Vortreffen der Gutachter
Am Tag vor der Begehung wurde in einem gemeinsamen Gespräch aller Gutachter der Ablauf der Begehung besprochen. Weiterhin ging die Gutachtergruppe gemeinsam die Unterlagen durch und trug die einzelnen Fragen und Kritikpunkte aller Gutachter zusammen. Vom Vorsitzenden der Gutachtergruppe wurden diese notiert und gemeinsam geklärt, mit wem man diese Fragen besprechen wollte: Waren die Problempunkte eher an die Programmverantwortlichen gerichtet, eher Fragen an die Hochschulleitung oder direkt mit den Studierenden zu besprechen. Nach dem gemeinsamen Abendbrot habe ich nochmal die Unterlagen sortiert und Fragen aufgeschrieben, die ich nicht vergessen wollte zu stellen.
Begehung der Hochschule
Ein kurzes Frühstück und eine große Tasse Kaffee mussten am Tag der Begehung
reichen, ehe man mit dem Taxi zur Hochschule gefahren wurde.
Im Rahmen der Begehung wurde der Studiengang durch die Programmverantwortlichen
nochmals kurz vorgestellt und erste Fragen wurden durch das Gutachterteam
gestellt. Dann folgten Gespräche mit der Hochschulleitung zur Personal- und
Sach-Ausstattung des Fachbereiches und später auch Gespräche mit dem gesamten
Lehrpersonal.
Vor dem Gespräch mit den Studierenden wurden schon einmal alle Problemfelder
diskutiert, die eventuell in Empfehlungen oder Auflagen münden könnten.
Auch die positiven Aspekte wurden gesammelt und alle Punkte, die während der
Gespräche schon geklärt werden konnten, abgehakt. Nach dem Gespräch mit den
Studierenden wurden mit den Programmverantwortlichen die Probleme des
Studiengangs diskutiert. Dabei achtete der Vorsitzende des Gutachterteams
darauf, nicht direkt zu sagen, was später einmal Empfehlungen oder Auflagen
werden könnten, denn diese Entscheidung trifft die Akkreditierungskommission.
Das Gutachterteam nannte bei dieser Runde nicht nur Punkt für Punkt, sondern
gab auch Anregungen für die Verbesserung, die dann gemeinsam mit den
Programmverantwortlichen im "Konsens" besprochen wurden.
Akkreditierungsbericht
Der Bericht wurde dann vom Vorsitzenden des Gutachterteams geschrieben, an alle Gutachter zur Stellungnahme geschickt und mit Änderungen in die Akkreditierungskommission gegeben.
Fazit
Mit anderen Akkreditierungsagenturen habe ich schon Bachelor- und
Masterstudiengänge begutachtet, mit ASIIN war dieses Verfahren mein erstes.
Im allgemeinen kann ich sagen, dass das Verfahren ähnlich ablief, wie bei
anderen Agenturen, aber es gab auch feine Unterschiede.
Als wichtigsten Unterschied möchte ich nochmal wiederholen, dass ich bei
keiner anderen Agentur Kriterienkataloge als Hilfe-stellung bekommen habe.
Diese Kriterien-kataloge können für Erstakkreditierende eine Hilfestellung
sein, bei besonders innovativen Studiengängen habe ich aber persönlich
Bedenken, dass die Begutachtung dadurch zu stark reglementiert wird.
Im Gegensatz zu Verfahren mit anderen Agenturen habe ich bei diesem
Verfahren das Gespräch mit den Studierenden nicht selbst geleitet. Dies
wurde wie bei Gesprächen mit den anderen Gruppen auch vom Vorsitzenden
übernommen. Davon wurde ich leider überrascht, denn in den anderen Verfahren
war es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, schon allein wegen der
psychologischen Wirkung. Ich kann zwar nicht behaupten, dass das Gespräch
deshalb wesentlich anders verlief, würde aber in jedem kommenden Verfahren
darauf hinarbeiten. Im Fachausschuss werde ich das Thema auch noch einmal
aufgreifen und bis dahin jedem empfehlen nachzufragen, ob es nicht sinnvoll
wäre, dass die studentischen VertreterInnen die Gespräche mit den
Studierenden moderieren.
Die Beteiligung an einem solchen Verfahren lohnt sich allemal, denn in
diesem Fall müssen die Lehrverantwortlichen der Hochschule, aber auch
die Hochschulvertreter im Gutachterteam auf den studentischeN VertreterIn
Rücksicht nehmen.
Sollte der Studiengang auch noch so durchdacht sein, es finden sich immer
wieder Kleinigkeiten, die noch verbessert werden müssen. Meine Erfahrung
mit Akkreditierungsverfahren zeigt auch, dass die Studierenden in den
Gesprächen für die Fragen der studentischen Gutachter offener sind. Im
Gegensatz zu den Gesprächen mit der Hochschulleitung hat man in der
Gesprächsrunde mit den StudentInnen größere Chancen die Probleme des
Studiengangs oder des Fachbereichs zu erfragen und Klagen über schlechte
Ausstattung oder fehlende Lehrmittel aufzunehmen. Auch konnte ich in
diesen Runden nachfragen, wie stark die StudentInnen wirklich in die
Erarbeitung und Gestaltung der neuen Studiengänge eingebunden waren. Auf
jeden Fall sollte man darauf schon im Vorfeld achten, dass eine
Gesprächsrunde mit den Studierenden stattfindet. Vor Ort ist es oft möglich
auch nochmals explizit zu erwähnen, dass auch Studierende der neuen
Studiengänge, sofern sie denn bereits laufen, teilnehmen.