Erfahrungsbericht eines studentischen Gutachters

von Ulf Banscherus, Berlin, ehem. Münster

Sitzungsvorbereitung

Weil ich im Nebenfach Angewandte Kulturwissenschaften studiere und vom studentischen Dachverband fzs als Gutachter in den Studentischen Akkreditierungspool entsandt wurde, kam Anfang 2002 die Anfrage, ob ich einen praxisorientierten Weiterbildungsstudiengang für Künstler begutachten wollte. Nach einer kurzen Rücksprache mit der Poolverwaltung über die Hintergründe des Verfahrens habe ich gerne zugesagt und kurz darauf vom Sekretariat des Akkreditierungsrates, der ausnahmsweise die Akkreditierung des Studiengangs durchgeführt hat, die Unterlagen per Post erhalten. Beim Durcharbeiten habe ich gemerkt, dass ein Akkreditierungsverfahren ziemlich ähnlich läuft wie eine Sitzung der Lehrkommission an der Uni Münster und auch nicht mehr Zeit zur Sitzungsvorbereitung braucht. Eigentlich ging es um nicht viel mehr als um eine Studienordnung und die Frage nach dem Sinn und Unsinn eines Studiengangs. Auf meine Anfragen, die ich telefonisch und per Email an das Sekretariat gestellt habe, habe ich immer eine aussagekräftige Antwort bekommen, die das Sekretariat teilweise auch erst bei der antragstellenden Hochschule in Berlin einholen musste. Ende März fühlte ich mich gut auf die Vor-Ort-Begutachtung vorbereitet. Zumindest so weit wie das mit dem reinen Studium von Unterlagen möglich ist.

GutachterInnensitzung

Nach einer Nacht im Hotel, die der Akkreditierungsrat bezahlt hat, weil es nicht möglich war, morgens pünktlich um 10 Uhr mit der Bahn anzureisen, kam ich um kurz vor 10 in der Hochschule an, wo mich die für Studiengänge zuständige Dezernentin begrüßte und mir die anderen SitzungsteilnehmerInnen vorstellte. Es waren zwei VertreterInnen des Sekretariats des Akkreditierungsrates dort, die auch ein Protokoll führten, um später einen Entwurf für das Gutachten zu verfassen, ein Vertreter des Berliner Wissenschaftsministeriums, eine Vertreterin des Akkreditierungsrates als Berichterstatterin für den Rat, der ja die Entscheidung treffen muss, und als weitere GutachterInnen eine Professorin aus Wien, ein Professor aus Hamburg und ein Professor aus Bonn, der dort gleichzeitig ein Museum leitet. Zuerst haben wir ohne die Dezernentin eine Vorbesprechung durchgeführt, in der ich auch schon Fragen an die GutachterInnen, die Vertreterin des Rates und den Vertreter des Ministeriums zu Bereichen stellen konnte, die aus dem Antrag nicht ganz klar geworden waren. Während der ganzen Zeit war die Gesprächsatmosphäre sehr angenehm und konstruktiv. Innerhalb der GutachterInnengruppe haben wir uns auf Kritikpunkte und konkrete Fragen an die HochschulvertreterInnen verständigt, wobei meine Einwände und Anregungen erst genommen wurden, genauso wie meine Fragen auch später von der Dezernentin, dem Uni-Präsidenten und den FachvertreterInnen beantwortet wurden. Einigen Klärungsbedarf gab es besonders bei den Bereichen Modularisierung und Leistungspunkte, den die FachvertreterInnen auch nicht auf Anhieb klären konnten. Später wurden uns noch Projekte vorgestellt, weiter hatten wir die Gelegenheit, mit VertreterInnen der Studiereden zu sprechen und unsere Kritikpunkte zu diskutieren. Im Laufe der Gespräche stellte sich dann aber heraus, dass das Institut ohne es selbst zu wissen ein schlüssiges Modularisierungskonzept vorgelegt hatte. Ohne die Gespräche und bohrende Nachfragen hätten wir das aber nie heraus gefunden, weshalb eine Vor-Ort-Begutachtung extrem sinnvoll ist. Blieb das Problem der Leistungspunkte, die zu schematisch an SWS orientiert vergeben werden sollten. Hier gaben wir der Hochschule eine Überarbeitungszeit von 6 Wochen, da wir wegen des einen Kritikpunktes keine Versagung der Akkreditierung empfehlen wollten. Nach einer langen, aber kooperativen und interessanten Sitzung stieg ich gegen 18.00 Uhr in meinen Zug und war knapp 24 Stunden nach meiner Abfahrt wieder in meiner Wohnung in Münster.

Sitzungsnachbereitung

Nach etwa zwei Wochen bekamen die GutachterInnen per Email den Entwurf des Gutachtens, in den meine Änderungsvorschläge vollständig aufgenommen wurden. Nachdem die Hochschule im Bereich der Leistungspunkte nachgearbeitet hatte, konnten wir dann dem verbesserten Modell zustimmen und dem Akkreditierungsrat eine Akkreditierung ohne weitere Auflagen empfehlen. Abschließend bleibt festzustellen, dass das gesamte Verfahren sehr fair und transparent gelaufen ist und das vorgelegte Konzept insgesamt Hand und Fuß hatte. Dies gilt leider sicher nicht für jedes Akkreditierungsverfahren. Auch sind trotz guter Vorbereitung und Sitzungserfahrung immer Kompromisse notwendig, die manchmal nicht ganz leicht fallen. Wer das Gewicht studentischer Mitglieder in Kommissionen der Hochschulen kennt, wäre aber in diesem Akkreditierungsverfahren über die Modifizierungsmöglichkeiten überrascht gewesen.